
Holz wirkt. Durch seine Eigenschaften, Inhaltsstoffe, sein Wesen, seine Farbe und Textur hat Holz Einfluss auf unser Befinden, auf die Raumatmosphäre, auf die Gesundheit und seelische Verfassung. Immer mehr Menschen wollen Möbel und Einrichtungen aus Echtholz. Holz ist immer einzigartig. Es gibt kein Stück, das dem anderen gleicht. Hier ein kleiner Wegweiser, der die Auswahl erleichtern könnte.
Amaranth (Purple Heart)
Welch ein wundersames Holz! Äußerst hart, schwer und dicht. Die edle Textur präsentiert ein Farbspektrum von pflaumenblau bis tief violett. Feinste Markstrahlen, weiße, in Streifchen vereinigte Punkte durchziehen das Holz und bilden einen lebendigen Kontrast zur satten Holzfärbung. Es eignet sich hervorrragend für den anspruchsvollen Möbelbau und fügt Räumen einzigartige Akzente hinzu. Durch die mehrfache Politur mit wachshaltigen Ölen vertiefen wir die grandiose Anmutung dieses Materials. Dieser Baum wächst in Süd- und Zentralamerika. Bei der Wahl des Holzes und des Lieferanten achten wir genau auf Herkunft und Nachhaltigkeit.

Zebrano
Das Zebra unter den Hölzern. Es ist mittelschwer bis schwer, seine Festigkeit liegt etwas über der der Eiche. Die Bearbeitung ist nicht ganz einfach, es braucht gute Maschinen, gutes Werkzeug und Zeit. Die porige Oberfläche braucht kräftige Füller. Ein Möbel aus Zebrano wirkt exotisch und lebendig. Die starken Farbabgrenzungen zwischen strohgoldenen und dunklen Partien erschaffen sehr filigrane, feine Texturen, die sich lebhaft in einer ruhigen Umgebung positionieren. Zebrano stammt vorwiegend aus Kamerun und Gabun.

Wenge
Wie tief dunkle Schokolade, kontrastreich geädert, edel in der Wirkung, besonders in Kombination mit nahezu weißen Hölzern entstehen unverwechselbare Einzelstücke und Ensembles. Das Holz ist hart, schwer, spröde. Wer schon einmal Wenge verarbeitet hat, hatte sicher auch den einen oder anderen Splitter in der Hand. Das Holz muss sorgfältig geschliffen, langsam und in mehreren Etappen gewachst werden, damit das Öl nicht nachschwitzt und aus den Poren tritt. Wenge hat eine ruhige, noble Ausstrahlung und wirkt am besten in sehr heller Umgebung. Der Baum, der dieses kostbare Holz liefert, wächst in Zentralafrika. Wir achten auch hier auf Herkunft und Nachhaltigkeit.

Stieleiche
Beständig, stark, eigenwillig, schwer, hart. Große Teile des Eichenstammes sind für die Möbelherstellung ungeeignet: der Splint ist zu weich, der Kern muss zu großen Teilen entfernt werden. Der Verschnitt bei Eiche liegt, je nach Anwendung, bei bis zu 400%. Eiche bietet einen meist farblich homogenen Eindruck, die Oberfläche ist hart und nahezu unverwüstlich. Gebrauchsspuren steckt die Eiche gut weg und wird oft erst dadurch lebendig. In der Wohnatmosphäre und Einrichtungskultur ist Eiche ein präsentes, durchaus dominantes Holz. Dosiert kann es Ruhe und Kraft vermitteln, aber es kann auch bedrängen, beschweren und die Umgebung in den Schatten stellen. Also: nicht alles mit Eiche ausstatten, auch wenn dieses Holz derzeit überpräsentiert wird und man den Eindruck gewinnt, alles muss aus Eiche sein.

Esche
Sehr hohe Oberflächenhärte mit hellem Splint und olivfarbener Kernmaserung, beständig, ruhig in der Bewegung und formstabil, neigt wenig zum Verwerfen und kann daher auch in großen Abmessungen verwendet werden (insbesondere die Bohlenbreite). Die Maserung der Esche ist lebendig und gleichzeitig harmonisch. Bei geschickter Verarbeitung lassen sich wahre Gemälde erzeugen. Esche ist immer ein freundliches Holz, das zur Neutralität im Wohnensemble tendiert. Alle Teile des Stammes können genutzt werden, daher gibt es verhältnismäßig wenig Verschnitt. Esche ist der heiligste Baum in der germanischen Mythologie, in ihr treffen sich Erde, Himmel und Universum. Es ist preiswerter als Eiche und viele andere Harthölzer und hat alle Qualitäten für ein ewiges Möbel.

Bergahorn
Elfenbeinweiß, wunderschön, teilweise mit sehr lebendigen, nahezu überwältigenden Partituren. In der Oberfläche finden sich holografische Ebenen und bieten einen Blick in die Tiefe. Bergahorn ist hart, schwer, aber optisch ganz leicht. Antiseptisch, sehr dichte, kleine Zellen, engwüchsig, sehr geeignet für Küchenplatten, Esstische, Fußböden, helle, lichte Möbel. Die beste Qualität kommt aus Bergregionen der Alpen. Bergahorn liegt preislich in der oberen Mittelklasse. Ein Ahornmöbel ist immer auch Kunst, Ausdruck des Lebendigen, des Einmaligen. Ein Ahornmöbel entsorgt man nie, es begleitet durch das ganze Leben.

Birke
Birkenholz ist weicher und leichter als Harthölzer. Sie ist verspielt, hell, cremig. Sie wirkt belebend, macht froh und leicht. Die Gesamteinrichtung, der atmosphärische Eindruck des Raumes wird nicht beschwert und bedrängt, sondern mit Harmonie und Leichtigkeit beschenkt. Die vollendete Oberfläche erinnert oft an ein in Wellen gelegtes Seidentuch. Wunderschön, mit erstaunlichem Einblick in die Tiefe. Manchmal wirkt es wie bewegtes Wasser, transluzent und holografisch. Birkenholz ist ein wunderbares Möbelholz. Als Arbeitsplatte verwendet muss man mit der geringeren Härte der Oberfläche leben können. Birkenholz gehört zu den etwas preiswerteren Hölzern, hat aber, vor allem optisch, einmalige Vorzüge.

Kirsche
Wer Frohsinn und Leichtigkeit braucht, sollte über einen Familientisch aus Kirsche nachdenken. In Japan steht sie im Mittelpunkt der kulturellen Wahrnehmung. Sie gilt als rein, einfach und gleichzeitig prächtig. Die Kirschblütenzeit ist in Japan ein wichtiges traditionelles Ereignis.
Kirschholz ist hart und schwer. Seine Farben reichen von Gold bis Kupfer und vermischen sich innerhalb eines Baumes in alle Nuancen dieser Töne. Kirschholz kann für alle Möbel verwendet werden, passt am besten in sehr helle, lichte, weiße Räume.

Ulme
Hart und beständig, durchgängig honig- und goldfarben, mal heller, mal dunkler und weich in der Optik. Ihre Maserung erinnert oft an Tropenholz, gerade wegen ihrer einmaligen Fiederung, welche so kein anderes heimisches Holz hat.
Ulmenholz ist hart und ein hervorragendes Möbelholz. Es vermittelt Ruhe, Frieden und Gelassenheit. Preislich liegt Ulmenholz in der oberen Mittelklasse. Ulmenholz neigt zum Reißen, daher kann man dieses kostbare Holz nur von verantwortungsvollen Sägewerken und Händlern beziehen und muss es sehr sorgsam verarbeiten. Früher wurden Ulmen bevorzugt in Dorfalleen zur Brandabwehr gepflanzt, ihr Laub diente als Viehfutter im Winter. Ulmen erkennt man an den asymmetrisch aufgebauten Blattformen. Der Buche ähnlich, aber eben asymmetrisch. Die Bestände der Feldulme sind stark vom Ulemsplintkäfer bedroht, dessen Larven die Bäume langsam verdursten lassen. Wer etwas Gutes tun will, pflanzt Flatterulmen. Diese sind resistent gegen diesen Schädling.

Europäische Walnuss
Hart, schokoladig dunkel, mit hellem Kontrastsplint. Sehr homogen, edel, dennoch lebendig. Aus Walnussholz lassen sich sehr edle Einzelstücke bauen, die in hellen Räumen für Kontrast und ruhige Fixpunkte sorgen. Früher war es Pflicht eines jeden Gartenbesitzers, einen Nussbaum zu pflanzen. Das hatte zwei Gründe: Zum einen bietet ein einigermaßen ausgewachsener Baum so viele Kalorien in Form von Nüssen, dass eine mehrköpfige Familie damit seinen winterlichen Energiebedarf decken konnte. Der Baum war also eine Überlebensvorsorge für schlechte Zeiten. Zum anderen wurden aus dem harten, edlen Holz Gewehrkolben hergestellt. Das war sicher nicht im Sinne diesen edlen, nützlichen und schönen Baumes.
Europäisches Nussholz gehört zu den teuersten Hölzern. Klar, die Bestände in Deutschland sind sehr überschaubar. Nur im Ausland, zum Beispiel in Frankreich oder auf dem Balkan gibt es sie etwas häufiger. Wir hatten das große Glück, einige Male an gefällte, alte Gartenbäume zu kommen. Wir ließen sie aufschneiden und bauten daraus sehr schöne Möbel.
Als Alternative gibt es im Handel etwas preiswerter amerikanisches Nussholz. Dieses hat sehr ähnliche Eigenschaften, ist aber dunkler und etwas langweiliger. (Dunkler, weil es gedämpft in den Handel kommt.)

Elsbeere
Ein fast schon vergessenes Möbelholz. Leider wird es kaum in die Wälder eingepflanzt, obwohl es traditionell hier gedeiht. Gerade als Klimabaum wäre die Elsbeere sehr wertvoll, weil sie auch mit Trockenheit gut zurechtkommt und lange Sommer gut übersteht. Die größte Verbreitung hat die Elsbeere im Mittelmeerraum und Südeuropa, aber man findet sie auch in Dänemark.
Das Holz der Elsbeere ist einmalig! Es ist an Härte kaum zu übertreffen, die Farbe geht von Altrosa bis zu Rötlichbraun. Es wirkt sehr edel, ist sehr feinporig, liegt samtig an der Hand. Im Alter dunkelt das Holz der Elsbeere etwas rötlich nach, bewahrt aber seine farbliche Harmonie. Die Maserung ist zurückhaltend, zwischen Kern und Splint weist das Holz eine große Homogenität auf. Aus dem Holz der Elsbeere lassen sich alle Möbel und auch Instrumente herstellen, aber langsame, sorgfältige Trocknung und eine langsame Verarbeitung sind wichtig, da das Holz sonst reißt und sich windet.
Elsbeere ist im ausgewählten Handel erhältlich, aber gehört zu den teuren Hölzern. Ein Möbel aus Elsbeere ist ein Möbel für immer.

Kiefer
Die Kiefer hat den Ruf von Billigkeit. Das kommt daher, dass minderwertige Kiefer im Auftrag großer Möbelhäuser seit vielen Jahren zu Billigmöbeln verarbeitet wird. Durch die lackierte Astigkeit und industrielle Verarbeitung bleibt nicht viel übrig von der stolzen, sich im Sturm biegenden Königin der Sandböden.
Aber: gutes Kiefernholz aus sandigen Böden wächst langsam und hat feinste, eng stehende Jahresringe. Solches Holz, dazu noch astarm oder astfrei, ist ein schönes, leichtes Holz für feine, schlanke Möbel. Sie strahlen Wärme und Ruhe aus und erinnern in nichts an ihre armen Vettern im Möbelhaus. Man kann die Oberfläche durch ein Weißöl veredeln oder mit einem seidigen Wachs behandeln. Kiefer ist recht preiswert und lokal fast immer zu haben.

Fichte/Tanne
Für die Fichte und Tanne gilt Ähnliches wie für die Kiefer. Jedoch sind Fichte und Tanne noch heller, in der Regel harzärmer und noch homogener in der Maserung. Ein freundliches Holz, gut zu verarbeiten, langfaserig, zäh und biegsam.

Zirbe
Was für ein Holz! Langsam wächst die Zirbe in den Alpen auf felsigem Grund. Sie braucht viele Jahrzehnte um zu einem Baum zu gedeihen, zu widrig sind die Umstände, zu hart und lang die Winter, zu mager die Böden. Aber in all den Jahren der Beständigkeit reichert die Zirbe in ihren Zellen eine hohe Konzentration von ätherischen Ölen an. Und genau das macht sie so wertvoll und einmalig. In Studien wurde nachgewiesen, dass der Mensch besser, tiefer und mit verlangsamtem Herzschlag schläft, wenn sein Schlafzimmermobilar aus Zirbenholz besteht. Dazu braucht es freilich etwas mehr als ein Nachtschränkchen, aber der Effekt ist klar und wissenschaftlich belegt: Zirbenholz hält gesund. Optisch erinnert die Zirbe an das Holz der Pinie. Heller Honig und tiefbraune, nicht zu viele Äste. Zirbenholz wird nicht behandelt, damit die Atmungsfähigkeit des Holzes nicht eingeschränkt wird. Aus Zirbenholz lassen sich alle Möbel bauen, aber mit Rücksicht auf ihr langsames Wachstum und begrenzten Beständen sollte dieses Holz dem Schlafzimmer vorbehalten bleiben.

Diese Übersicht ist unvollständig und so manches Holz fehlt. Wir werden die Informationen Schritt für Schritt ergänzen. In unserer Werkstatt verarbeiten wir alle o.g. Holzarten und auch eine Vielfalt an außereuropäischen Hölzern. Dabei ist es uns wichtig, sorgsam und achtsam in die Transformation vom Baum zum Objekt zu gehen. Ein Meister sagte vor einigen Jahren zu uns, dass man erfolgreich ist, wenn man in den Ergebnissen unserer Arbeit alle Sommer, alle Winter, das Leben des Baumes zum Ausdruck bringt. Damals wussten wir noch nicht genau, was das in der Realität zu bedeuten hat. Heute wissen wir es und sehen das Leuchten im Holz nach getaner Arbeit.
Übrigens: Langsam zu arbeiten heißt nicht, mehr Zeit zu brauchen. Langsamkeit ist schneller als Eile, es trägt dem Holz Rechnung und zollt den nötigen Respekt.
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